Weshalb nachhaltig reisen?

theorie und tipps

In den letzten Monaten wurde in den Medien viel zum Thema Fliegen und Treibhausgase berichtet. Wir möchten dir hier einen kurzen Überblick geben, welchen Einfluss der Flugverkehr auf unsere Umwelt hat, wie die momentane politische, wirtschaft-liche und gesell-schaftliche Situation aussieht und was du tatsächlich unternehmen kannst, um deinen Fussabdruck auf Reisen aktiv zu reduzieren.

Vorab eine kleine Zukunfts-geschichte

Es war einmal eine junge Frau namens Coraline. Sie liebte das Reisen. Jeden Tag arbeitete sie 9 Stunden, um die 5 Wochen Ferien, die sie jährlich bezog, fürs Reisen zu nutzen. Sie flog. So oft, dass es nichts Besonderes mehr war. Der Check-in wurde manchmal mühsam und der Platzmangel im Flugzeug einengend. Mit 32 wurde sie Mutter. Sie freute sich unglaublich darauf, ihre Liebe zum Reisen mit ihrer Familie zu teilen. Doch Coralines Reiseverhalten und der dazugehörende immense Ausstoss diverser Treibhausgase führte dazu, dass sich die Natur um sie herum stark veränderte. Viele Tier- und Pflanzenarten gingen ein, Flüsse und Seen trockneten durch die langen Dürreperioden aus. Die Wetterextreme nahmen stetig zu. Es gab gewaltige Gewitter, wenn es regnete waren die Wassermassen immens und die Sommer wurden unangenehm heiss. Was früher die Ausnahme war, wurde mehr und mehr zur Regel. Die Lebensmittelpreise stiegen infolge der Extreme an und trinkbares Wasser gab es nur noch in Flaschen abgefüllt zu kaufen. Als sie die erste Reise für die Familie planen wollte, erschrak sie, da die meisten ihr bekannten Feriendestinationen nicht mehr zu bereisen waren. Es herrschte weltweiter Notstand: Küstenregionen waren überflutet, Kriege um Nahrung und Boden brachen aus und die ausser Kontrolle geratenen Naturgewalten zerstörten jegliche Hoffnung auf Besserung.

Was wäre, wenn Coraline (und alle anderen) statt zu fliegen öfters an einen Ort in der Schweiz verreist wäre und dabei den Zug, das Fahrrad oder ihre Beine benutzt hätte? Diese Zukunftsgeschichte hätte eine andere Wendung genommen. Mit der entschleunigten Fortbewegung hätte sie Zeit gehabt, alle fremden Eindrücke intensiver aufzunehmen. Ein entferntes Reiseziel hätte sie mehr zu schätzen gewusst, denn die Auswirkungen des Fliegens auf die Umwelt kannte sie. Und sie hätte ihre grosse Leidenschaft auch in Zukunft mit ihrer Familie teilen können.

 

Die harten Zahlen und Fakten

Der Flugverkehr ist weltweit für knapp fünf Prozent und in der Schweiz sogar für über 18 Prozent des menschen-gemachten Klimaeffekts verantwortlich (1). Seit 2000 haben die Flüge um ca. 65 Prozent zugenommen. Und es wird prognostiziert, dass die aus der Schweiz getätigten Flüge zwischen 2017 und 2030 jährlich um 3,2 Prozent wachsen werden (Grafik 1)(2,3). Wollen wir unseren Lebensraum erhalten und die Umwelt schützen, darf dies nicht passieren. Trotzdem sehen wir aus fast keinem Bereich (Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft) ein Eingreifen dagegen. Weder in den Zielen für nachhaltige Entwicklung

der UN (SDG’s) noch in der Agenda 2030 (Nachhaltige Entwicklungsstrategie der Schweiz) oder im neuen CO2-Gesetz der Schweiz wird die Vielfliegerei thematisiert. Den meisten politischen Parteien ist es zu heikel, das Thema anzuschneiden. Einem Eingriff wird nachgesagt, er schade unserer Wirtschaft zu stark. Somit erlangt das Fliegen einen unnötig hohen ideellen Status.

Mehrere Petitionen sind zur Zeit im Umlauf, wie etwa vom Umweltverein umverkehR und der Koalition Luftverkehr Umwelt und Gesundheit (KLUG). Dies sind erste Schritte zur Reduktion des CO2-Ausstosses. Und trotzdem müssen wir, die Bevölkerung, jetzt beginnen, unser Verhalten zu ändern, bevor es die Gesetze von uns verlangen. Denn das Einhalten des 1,5-Grad-Ziel ist immens wichtig für uns, wie auch für zukünftige Generationen. Wir produzieren viel mehr CO2, als unserer Umwelt gut tut (Grafik 2). Eigentlich dürften wir im Schnitt pro Jahr und Person nicht mehr als 0,6 Tonnen CO2 ausstossen, um den Klimawandel aufzuhalten (4).

Auch steckt die Sensibilisierung der Bevölkerung hierzu noch in den Kinderschuhen. In den Medien wird zu wenig über die Problematik des Fliegens informiert. Es wird oft kommuniziert, was mit den gesparten Flugmeilen zusätzlich konsumiert werden kann. Der sogenannte Rebound-Effekt wird gefördert. Das bedeutet, was bei den Flugmeilen gespart wurde, wird anderswo zusätzlich konsumiert. Diese Wahrnehmung, es werde gespart, ist verzerrt und entspricht nicht der Realität. Würden wir diesen Zustand mit einem Bankkonto vergleichen, gäben wir weiterhin Geld aus, obwohl unser Kontobetrag tief im Minus steckt. Auch eine freiwillige CO2-Abgabe verhindert den massiven CO2-Ausstoss nicht wirklich. Ebenso rechtfertigt eine saisonale oder vegane Ernährung keinen Kurztrip nach New York. Unser Fazit lautet: Der momentane Fokus in der Tourismusbranche liegt nicht auf der Reduktion der Treibhausgase, sondern auf Konsum und maximiertem, grenzenlosem Spass in trendigen Reisedestinationen.

Nutzt du den Hashtag  #fernwehschweiz bereits?

Uns gibt es auch digital! Unsere Web- und Facebook-Seiten zeigen nebst der Broschüre weitere Ausflugstipps und Informationen. Bist du auf Instagram? Dann füge bei jedem Post von einem Ausflug in der Schweiz den Hashtag #fernwehschweiz an. Hilf uns, allen Kritikern zu beweisen, dass ein Urlaub in der Schweiz ebenso spannend ist. Mit einer grossen und starken Community erreichen wir mehr. Teilen erwünscht!

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Grafik 1: Überblick über Anzahl Lokal und Transferpassagiere im gesamten Linien- und Charterverkehr in der Schweiz von 2000 bis 2017, inkl. Prognose bis 2030. Im Jahr 2017 gab es insgesamt rund 54,9 Millionen Flugpassagiere im Linien und Charter verkehr in der Schweiz. Werte alle gerundet. Veröffentlichungsdatum: März 2018. 2,3

Die Tücken der externen Kosten

Hast du dir schon einmal überlegt, weshalb Fliegen so billig ist? 

Ein Grund dafür ist, dass ­Kerosin nicht besteuert wird, andere Brennstoffe jedoch schon. Deshalb ist Fliegen oft die kostengünstigste Option, um zu reisen. Würden in ein Flugticket all die externen Kosten, die eine Flugreise verursacht, miteinberechnet, wäre Fliegen um ein vielfaches teurer. Fairerweise müsste darin auch ein Preis für die Luftverschmutzung, die Lärmbelastung, die ganzen Treibhausgase und deren Folgen verrechnet werden. Zähle nun diese externen Kosten dazu. Kannst du dir jetzt vorstellen, wie teuer Fliegen wirklich sein sollte?

Grafik 2: Berechneter CO2-Ausstoss für den Hin- und Rückflug in diverse Feriendestinationen (Abflug ab Zürich). Mit nur einem Europaflug erreicht man bereits die Hälfte des jährlich empfohlenen CO2- Verbrauchs. Dabei wurden noch keine Grundbedürfnisse wie Essen, Wohnen oder Ähnliches ab gedeckt. Alle Werte gelten pro Person.

Grafik 3: Vergleich diverser Transportmittel (Personenverkehr) und deren Emissionen mit Einbezug der jeweiligen Auslastung. Folgende Treibhausgase wurden berück sichtigt: CO2, CH4, N2O angegeben in CO2-Äquivalenten. Der SBB Strommix beinhaltet 4% Kernkraft, 96% Wasserkraft.

Die Folgen des Flugverkehrs

Weltweit fliegt nur ein kleiner Teil der Weltbevölkerung (ca. drei bis sieben Prozent). Die negativen Auswirkungen auf die gesamte Umwelt, die Klimaveränderung, tragen jedoch grösstenteils die Entwicklungsländer, also die Nichtflieger-Nationen. Dass andere Länder unter unserem Reiseverhalten leiden, ist nicht richtig. Aber auch wir leiden hier. Fluglärm und Treibhausgase haben grossen Einfluss auf unsere Gesundheit. Die immer mehr werdenden Lärmemissionen in Flughafenregionen verhindern Schlaf und Erholung. Dies wirkt sich sogar negativ auf die Entwicklung der Kinder aus.

Des weiteren beschleunigen die Treibhausgase, welche in grosser Höhe in der empfindlichen Ozonschicht ausgestossen werden, die Klimaerwärmung immens. Die Pole, die Gletscher und das Eis schmelzen und der Meeresspiegel steigt. Die Wetterphänomene werden extremer. Unwetter sind bereits jetzt intensiver und Dürreperioden dauern länger. In Zukunft wird auch unsere Landwirtschaft mehr darunter leiden. Im Winter wird der Schnee weniger. Die Schneefallgrenze steigt stetig. Und der Schnee der fällt, verursacht grosse Probleme, da die Massen den Normwert übersteigen. Im Sommer wird die Hitze unerträglich. Die heutigen Wetterextreme werden zukünftig zum Normalfall.

Unsere Handlungen bewirken viel

Noch haben wir die Möglichkeit einzugreifen. Wir müssen lernen umzudenken, unsere alten Gewohnheiten ablegen und klimaschädliche Handlungen auf ein Minimum reduzieren. Wenn nicht wir handeln, wer tut es sonst? Lasst uns alle die Veränderung sein. Klimafreundlich reisen muss keine Einschränkung sein. Die Einstellung dazu machts aus. Es bedeutet auch nicht, nie über die Landesgrenze zu dürfen. Man kann auch die Reise ans Meer geniessen, jedoch sollte die Wahl des Transportmittels weise gewählt werden. Der Zug verursacht etwa einen Zwanzigstel der Treibhausgase, verglichen zum Flugzeug (Grafik 3).(5 ) Auch das Personenfahrzeug ist nicht das optimale Reisetransportmittel. Nur maximal ausgelastet wird der CO2-Ausstoss minimiert. Also weshalb nicht mit dem Zug verreisen und die grosse Beinfreiheit geniessen?

 Aber müssen es wirklich vier, fünf Auslandsreisen pro Jahr sein? Setzen wir lieber Qualität vor Quantität. Und überhaupt: Wie gut kennen wir unsere Heimat? Weshalb nicht die Schweiz bereisen? Andere im Ausland beneiden uns darum. Setzen wir unsere unsichtbare Touristenbrille auf und entdecken die Schweiz. Denn es gibt hier noch so viel zu sehen!

jessica@fernweh-schweiz.ch

Deine Handlungsmöglichkeiten beim Reisen

Bereits wenige Veränderungen reduzieren deinen CO2-Fussabdruck aufReisen. Anbei einige Tipps:

  • Wähle sanfte Verkehrsmittel (Zug, Bus, Fahrrad, zu Fuss
  • Reise langsam und bleib lange
  • Oder buche einfache und ressourcenschonende Übernachtungs­möglichkeiten (Camping, Couchsurfing, etc.)
  • Ernähre dich ressourcenschonend (vegetarisch oder vegan bevorzugt) 
  • Vermeide Abfall
  • Zeige Respekt vor Menschund Umwelt 
  • Verzichte auf klimaschädliche Touristenangebote (z.B. Heliskiing)
  • Kaufe beim lokalenHändler ein
  • Kaufe nachhaltig hergestellte Outdoorausrüstung (z.B. Patagonia, Vaude, Fjällraven)

In der Schweiz bleiben?
- 10 gute Gründe

Fernweh ganz nah

Alles ganz nah

Durch einen Canyon wandern, Fremdsprachen sprechen und     internationale Küchen geniessen? Das kannst du alles in der Schweiz.

Kulturangebot

Neugierig auf Kultur? Kaum ein anderes Land hat derart viele verschiedene Museen wie die Schweiz.

Wechselstube

Geld wechseln und Wechselkurse umrechnen? Das ist unnötig.

Vernetzte Wege

ÖV-Verbindungen in jedes Tal – zum besten Wanderweg-netz der Welt? Das findest du nur in der Schweiz.

Kurze Reisezeit

Wartezeiten am Flughafen? Mit dem Zug bist du bereits am Ziel - ohne Jetlag.

Sauberes Wasser

Durstig? Hier gibt’s gratis Trinkwasser aus Hahn und Brunnen so viel du willst.

BioDiversität

Grüne Hügel, kalkige Berge, tiefe Täler, farbige Wiesen und sonnige Strände  – in der Schweiz findest du alle Klimazonen..

Kulinarik

Hungrig? Die beste Schokolade und den besten Käse gibt es nun mal in derSchweiz.

Infrastruktur

Lust auf Sport? Hier findest du beste Bedingungen für Sommer- und Wintersport
– direkt vor der Haustüre.

Umwelt

Immer noch nicht überzeugt? Bleib in der Schweiz, damit du den zukünftigen Generationen eine intakte Umwelt zurücklassen kannst.

Der verein

Im Rahmen unserer Ausbildung zu Umweltberaterinnen haben wir den Verein Fernweh Schweiz gegründet. Mit dem Ziel, Reisende zur Problematik des Flugverkehrs zu sensibilisieren, realisieren wir die erste nachhaltige Reisebroschüre für die Schweiz. Unsere Kernfrage für dieses Projekt lautet: Weshalb fliegen so viele Menschen für ein Ferienerlebnis ins Ausland? Wir sind überzeugt, dass es in der Schweiz für alle noch so viel zu entdecken gibt: Wunderschöne Natur, spannende Kultur, aufregende Begegnungen und wilde Abenteuer!

Und welcher Reisetyp bist du?

Vier von uns definierte Touristentypen begleiteten unsere Recherche durch die Schweiz: Der Familien-, Abenteuer-, Kultur- und Alternativferientyp. Diese repräsentieren ein Stück weit auch unsere eigenen Persönlichkeiten und Interessen und zeigen zudem beliebte Themen. Wir möchten sensibilisieren, inspirieren und die Neugier für die Schweiz wecken. Und wer weiss, vielleicht führt dich die nächste Reise dahin? Lass es uns wissen mit einem Hashtag #fernwehschweiz in den Social Medias. Denn wir sind überzeugt: Unsere eigenen Erfahrungsberichte und die nachhaltigen und interessanten Reisetipps wecken die Neugier für unser wunderschönes und spannendes Land.

Eine Ausbildung – viele Gründe

Wir vier kommen aus unterschiedlichen Umfeldern, und doch hat uns das grosse Thema zusammengebracht: Der Schutz unserer Umwelt. Und natürlich auch die Liebe zum Reisen ...

Sandrine, Familienferien: Die Natur und die Wirtschaft haben mich schon immer begeistert. Die Weiterbildung habe ich begonnen, um mein Studium in Betriebswirtschaft zu ergänzen und vor allem, um mehr über den Zustand der Natur zulernen. Dieses Projekt erlaubt mir zwei wesentliche Ziele zu kombinieren: Die vielfältige Tourismusbranche auf wirtschaftlich lokaler Ebene zu fördern sowie den eigenen CO2-Ausstoss beim Reisen zu reduzieren – zugunsten der Natur und für meine Kinder.

Julia, Abenteuerferien: Klimagerechtigkeit ist eine wichtige Thematik in meinem Leben. Irgendwann reichte es mir nicht mehr, viel von meiner Freizeit dafür zu investieren. Mir war klar, dass ich gerne auch einer Lohnarbeit nachgehen möchte, in welcher ich mich für Umweltschutz und somit für eine gerechte Welt einsetzen kann. Als gelernte Fachfrau Betreuung arbeite ich momentan in einer Waldkinderkrippe. Ich möchte auch kommenden Generationen eine lebenswerte Zukunft ermöglichen.

Adriana, Kulturferien: Irgendwann genügte es mir nicht mehr, nur noch mitzuverfolgen, was mit unserer Umwelt passiert. Da ich bereits aktiv die Nachhaltigkeit lebe, wurde es Zeit zu lernen, wie ich ebenfalls andere für den Umweltschutz begeistern kann. Dies war wohl der wichtigste Impuls, meine Ausbildung als Umweltberaterin zu beginnen.

Jessica, Ferien mal Anders: Schon seit ich mich errinnern kann, liegt mir die Tierwelt am Herzen. Als ich die Zusammenhänge der Auswirkungen des Menschen auf das Klima und die Natur verstand, wurde mir bewusst, dass ich nicht tatenlos zuschauen will. Ich wollte mehr Zeit in dieses Thema investieren. Ein Jahr nach dem Lehrabschluss war klar: Ich möchte mich auch beruflich für den Umweltschutz einsetzen.

Wir hoffen, unsere Erlebnisse beflügeln eure Reisewünsche – jedoch ohne Flugzeug! Somit verabschieden wir uns mit den Worten: Reise weise.

Eurer Verein Fernweh Schweiz
Adriana , Jessica, Julia und Sandrine

Die Broschüre

Hier findest du unsere Broschüre
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